Kapitel 8 – Zwischen dem, was war – und dem, was kommt

Mit der Wohnungsabgabe schloss sich ein Kapitel, das in den letzten Jahren zu meinem Alltag gehört hatte.

Zum ersten Mal hatte ich kein eigenes Zuhause mehr.
Die Wohnung war leer und geputzt.
Die Schlüssel waren abgegeben.
Alles, was ich behalten wollte, stand in ein paar Kartonschachteln bei meinen Eltern.
Und plötzlich wohnte ich wieder dort, wo alles einmal begonnen hatte.
In meinem alten Kinderzimmer.
Es war vertraut.
Und gleichzeitig ungewohnt, wieder hier zu sein.
Ich wusste, dass ich nur für kurze Zeit hier sein würde.
Es war sozusagen nur ein Zwischenstopp.
Gleichzeitig merkte ich, dass ich meine Umgebung in diesen Tagen anders wahrnahm als früher.
Plötzlich fielen mir Dinge auf, die vorher einfach zum Alltag gehört hatten.
Orte, an denen ich jahrelang vorbeigefahren war. Die vertraute Umgebung. Kleine Routinen, über die ich mir vorher nie Gedanken gemacht hatte.
Vielleicht versuchte ich damit, irgendwie einen Abschluss zu finden.
Denn ich hatte Respekt vor dem, was vor mir lag.
Aber vor allem freute ich mich darauf.
Nach meinem letzten Arbeitstag und der Wohnungsabgabe verbrachte ich noch ein paar Tage bei meiner Schwester auf der Chelenalphütte.
Und irgendwie kam diese Auszeit genau zur richtigen Zeit. Obwohl es eine anstrengende und zum Teil schweisstreibende Zeit war.
Nach all den Wochen voller Organisation, Entscheidungen und Erledigungen war es schön, für ein paar Tage einfach weg zu sein.
Einfach Berge, Ruhe und Zeit offline.
Und trotzdem gingen mir immer wieder dieselben Fragen durch den Kopf:
Habe ich wirklich an alles gedacht? Waren alle Dokumente da? Fehlte noch etwas?
Dazwischen schlichen sich auch die Abschiede von Freunden, Bekannten und Arbeitskollegen ein.
Kaffees, die länger dauerten als sonst. Gespräche, die sich nicht einfach beenden liessen.
Umarmungen, die einen Moment länger blieben.
Kleine Augenblicke, in denen ich merkte, dass sich etwas veränderte.
Und vielleicht war genau das der eigentliche Abschluss.
Nicht ein bestimmter Moment. Nicht die Wohnungsübergabe. Nicht der letzte Arbeitstag.
Sondern all diese kleinen Situationen, in denen mir bewusst wurde, dass dieser Alltag bald hinter mir liegen würde.
Ich verabschiedete mich nicht von allem, was war.
Denn meine Wurzeln würde ich nicht einfach zurücklassen können.
Meine Familie. Meine Freunde. Die Menschen, mit denen ich aufgewachsen war.
Die Erinnerungen und Erfahrungen, die mich geprägt hatten.
Das alles würde bleiben.
Nur mein Leben würde sich verändern.
Ich stand kurz davor, etwas Vertrautes hinter mir zu lassen und etwas Neues zu beginnen.
Und genau deshalb fühlte es sich gerade nicht nach einem Abschied im klassischen Sinn an.
Eher nach einem Übergang.
Ein Kapitel ging zu Ende.
Das nächste hatte noch nicht begonnen.
Aber ich wusste, dass es kommen würde.
Und ich war bereit dafür.



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